Doktorandenprogramm „medMS“ der Hertie-Stiftung 2017

Arbeitstitel: Identifikation von neuronalen Adaptationswegen bei mitochondrialer Dysfunktion zur therapeutischen Induktion neuronaler Resilienz bei der Multiplen Sklerose

Wie würden Sie einem Laien kurz erklären, worum es in Ihrer Arbeit geht?

In meiner Doktorarbeit geht es um einen Botenstoff im Gehirn, der sehr viele lebensnotwendige Funktionen besitzt. Allerdings konnte gezeigt werden, dass genau dieser in einer zu hohen Konzentration Nervenzellen schädigen kann, was vermutlich eine wesentliche Rolle in dem Fortschreiten von neurodegenerativen Erkrankungen spielt. Es geht um den Neurotransmitter Glutamat und konkret um dessen Bindungsstellen an den Nervenzellen. Ziel ist es über eine pharmakologische Modulation neue neuroprotektive Wege aufzuzeigen, um dem Untergang von Nervenzellen im Gehirn entgegenzuwirken.

Hatten Sie vorher schon mal mit der Erkrankung MS zu tun?

Das Krankheitsbild der Multiplen Sklerose habe ich erstmals während des Studiums im Zuge von Neurologie-Vorlesungen kennengelernt. Durch anschließende UaKs (Unterricht am Krankenbett) mit direktem Patientenkontakt haben sich das vielschichtige Krankheitsbild und vor allem auch die vielen individuellen Patientengeschichten in mir eingeprägt. Auch während meiner Famulatur in der Neurologie konnte ich fast täglich viele neue Erfahrungen im Umgang mit MS-Patienten sammeln und mich von den vielseitigen Lebensgeschichten inspirieren lassen.

Haben Sie bewusst das Thema MS ausgewählt? Was hat Sie daran fasziniert / berührt?

Das Thema MS habe ich bewusst gewählt, da mich schon immer die Kombination aus Entzündungsmechanismen und Neurobiologie fasziniert hat. Darüber hinaus durfte ich in Unterrichtseinheiten und in Famulaturen bereits viel Erfahrung im Patientenkontakt sammeln und das breite Ausprägungsspektrum der MS im klinischen Alltag erfahren. In diesem komplexen Wechselspiel aus Grundlagenforschung und Klinik ist in den letzten Jahren schon eine sehr positive Entwicklung zu erkennen und ich hoffe einen Teil zu noch kommenden Fortschritten beitragen zu können.

Hat die Arbeit Ihre Einstellung zur Medizinforschung verändert?

Durch die Arbeit im Labor hat sich meine anfängliche Einstellung, dass Forschung und Klinik Hand in Hand gehen sollten, nur noch verstärkt. Genauso wie das gesamte klinische Personal für eine optimale und patientenorientierte Versorgung gebraucht wird, ist auch die (Grundlagen-)Forschung essentiell, um bereits bestehende Therapiestrategien zu optimieren und auch um neue therapeutische Möglichkeiten zu finden. Das schlussendliche Ziel einer optimalen Patientenversorgung ist nicht mit einem „weder-noch“, sondern nur mit einer freundschaftlichen und zielorientierten Kombination aus Klinik und Wissenschaft zu erreichen.

Vielleicht haben Sie noch etwas, was Sie gerne erwähnen würden?

Durch das MedMS-Doktorandenprogramm wird zukünftigen Ärzten und Wissenschaftlern die einmalige Gelegenheit gegeben, sich sowohl von klinischer Seite inspirieren zu lassen, als auch den molekularbiologischen Mechanismen der MS auf den Grund gehen zu können. Diese doppelte Motivation ist eine sehr gute Grundlage für eine erfolgreiche und zukunftsorientierte Doktorarbeit.

Das vollständige Interview kann unter dem folgenden Link abgerufen werden

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