»Das Gehirn ist das Geheimnis schlechthin«, erzählt Henning und meint damit, dass das Gehirn gemeinhin weniger erforscht ist als andere menschliche Organe. »Das Herz schlägt, die Lungen füllen sich mit Luft, aber wir haben keinen blassen Schimmer, wie Gefühle im Gehirn produziert werden – dieser Haufen Zellen, der so groß ist wie zwei Fäuste. Je mehr du es erforschst, umso mehr fasziniert es dich«, berichtet Henning. Zusätzlich zu seinem Studium der Neurowissenschaften in Deutschland besitzt Henning auch noch ein Diplom in Projektmanagement von der University of California.

»Der Aufbau des Neurons« stand im Zentrum von Hennings Forschung. »Die Struktur unserer Neuronen besteht aus Schienen und Straßen, die Schienen sind besser geeignet für Entfernungen«, erklärt Henning. Und er fügt hinzu: »Ich war immer an unserer menschlichen Biologie und insbesondere an unserem Gehirn interessiert.« Mit seinem Hertie PhD-Stipendium forschte Henning am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen am Rückenmark. Er schaute sich »die Schienen an, die den Verkehr im einen Fall durchlassen und in einem anderen Fall blockieren.« Das Verstehen dieser Funktion ist wichtig, zum Beispiel für Krankheiten wie Parkinson oder Multiple Sklerose. Nachdem er seinen PhD an der Graduate School of Cellular and Molecular Neuroscience abgeschlossen hatte, änderte sich Hennings Blickrichtung – von der Struktur im Inneren zur äußeren Welt der »neurowissenschaftlichen Unterhaltung«.

Die Struktur unserer Neuronen besteht aus Schienen und Straßen, die Schienen sind besser geeignet für Entfernungen.

Heute ist Henning »der Typ, der den Leuten erzählt, wie das Gehirn funktioniert«. Er macht das in diversen Vorträgen und Büchern. Er vermittelt zwischen Wissenschaft und der breiten Öffentlichkeit, »erklärt Forschung mit einfachen Worten« und hält Vorträge in Schulen und auf anderen öffentlichen Veranstaltungen. Alles begann mit einem Science Slam am Ende seiner PhD-Phase. Damals entdeckte Henning, wie viel Freude es macht, Wissenschaft auf eine unterhaltsame Art zu erklären. »Was ist ein Gedanke?«, »Wie machen wir dieses oder jenes besser als Computer?« Alle interessieren sich für solche Dinge und Henning »liebt es, sich mit Nicht-Wissenschaftlern zu unterhalten«, egal ob im Radio oder über interaktive Medien. Und auch die Zuhörer/innen hören nicht auf, ihn mit unerwarteten Fragen zu inspirieren, beispielsweise mit: »Wie schaffe ich es, wieder Schönschrift zu schreiben?« Henning mag es, mit Geduld unsichtbare Zusammenhänge zu erklären. »Es gibt nichts, das nicht mit dem Denken verbunden ist«, sagt er. Mittlerweile bewegt sich seine Arbeit auf Schienen aus Wörtern und Syntax.

« Magdalena Arndt Gloria Boateng »