Siddharth hat die Welt bereist, um schließlich wieder in sein Heimatland Indien zurückzukehren, wo er heute für die Weltbank arbeitet. Seine Reise führte ihn auf viele Kontinente, aber was vor allem heraussticht, ist seine Ausdauer und sein strategisches Denken – es ist eine Reise des Entwerfens und des beharrlichen Folgens einer Vision. »Ich machte meinen Abschluss mitten in der Finanzkrise«, erinnert sich Siddharth, als alte Systeme zusammenbrachen und die Leute sich nach Alternativen umschauten. Es war ein Paradox, denn die Situation eröffnete ihm eigentlich neue Möglichkeiten. Heute arbeitet er in der neuen Zweigstelle der Weltbank in Neu-Delhi und konzentriert sich dort auf den Energiesektor und die Rohstoffindustrie. Als Teil des Programms »Power for All 24x7« ist es sein Ziel, ländliche Gebiete mit Elektrizität zu versorgen – eine schwierige Aufgabe angesichts bergigen Terrains, Wüstengegenden und politischer Instabilität. »Elektrizität ist äußerst wichtig für Entwicklung«, betont er und erklärt, dass erneuerbare Ressourcen wie Solar- und Windenergie entscheidend für diesen Wandel sind.

Siddharth kam mit Public Policy das erste Mal in Berührung, als er seinen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre in Toronto machte. Im Rahmen eines Studienaufenthaltes in Schweden belegte er Wirtschafts- und Außenpolitik als Wahlfach und war begeistert. Seit diesem Zeitpunkt beschäftigt er sich mit Public Policy. Nach seinem Abschluss arbeitete er ehrenamtlich für ein Parlamentsmitglied in Toronto und befasste sich in diesem Zuge mit nationalen und internationalen staatlichen Kontrollen der Rohstoffindustrie. »So habe ich einen Einblick in den öffentlichen Sektor eines entwickelten Landes bekommen«, sagt er. Es folgte ein Praktikum in der Privatwirtschaft beim Bergbauunternehmen Vale in Rio de Janeiro. »Es muss eine Balance zwischen privatem und öffentlichem Sektor geben«, betont Siddharth. Das Praktikum ermöglichte ihm Einblicke in den privaten Teil einer entwickelten Wirtschaft. Langsam wuchs sein Verständnis für Weltpolitik.

Im Zuge seiner Suche nach einem Master of Public Policy in Kanada bemerkte Siddharth, dass die kanadischen Programme den Fokus mehr auf lokale Fragen legten. »Ich war an einem Programm mit internationaler Ausrichtung interessiert«, sagt er. »Ich hielt nach einer Universität Ausschau, die offen für neue Ideen war«, eine Universität, die auch einen dualen Abschluss anbot. Die kurz zuvor gegründete Hertie School of Governance bewies sich als der ideale Ort, sowohl zu dieser Zeit als auch in Retrospektive – »ein Ort für Experimente«, wie er es beschreibt. Um zu entscheiden, ob er sich bewerben sollte oder nicht, schaute sich Siddharth die Profile der Studierenden der Hertie School of Governance an. »Ich fand mich in den Profilen wieder«, wurde er sich bewusst. Das gute Betreuungsverhältnis zwischen Professor/innen und Studierenden spielte für ihn ebenfalls eine zentrale Rolle. Und obendrein war da noch der Standort der Universität: »Du musst schon verrückt sein, um Nein zu Berlin zu sagen«, scherzt Siddharth.

Berufsanfänger/innen rät Siddharth folgendes: »Verfolge deine Ziele, halte den Dialog am Laufen, sei beharrlich, gib dich nicht so schnell mit einem Nein zufrieden. Entwerfe deine eigene Karriere. Du allein weißt, wo deine Talente und deine Leidenschaften liegen.«

»Ich wollte das Maximum rausholen, das die Hertie School of Governance zu bieten hatte«, sagt Siddharth. Und genau das tat er während seines Masters of Public Policy: Erfolgreich absolvierte er ein »Professional Year« bei der Weltbank und machte einen Doppelabschluss mit der London School of Economics, einem Partner der Hertie School of Governance. Trotz seines vollen Studienkalenders übernahm Siddharth auch die Position des Schatzmeisters der Studierendenvertretung der Hertie School of Governance. Dank seiner Initiative wurde ein Teil des Budgets der Vertretung umgeschichtet, sodass überall an der Universität Trinkwasserspender aufgestellt werden konnten. »Mich interessierte die Psychologie, die hinter den Beziehungen zwischen Fakultät, Studentenschaft und Stiftung steckt. Eine spannende Frage war zum Beispiel, wie man das Verhalten von Menschen beeinflusst, ohne spezifische Regeln vorzugeben«, sagt Siddharth.

Eines Tages organisierte der Hertie School of Governace Career Service eine Veranstaltung, an der auch ein Vertreter der Weltbank teilnahm. Am Ende des Events hatte sich Siddharth entschieden, ein Praktikum bei der Organisation zu machen. Er bewarb sich auf eine Praktikantenstelle in der Zweigstelle in Mosambik. Zuerst wurde er abgelehnt, weil das Auswahlkomitee dachte, sein Portugiesisch sei nicht fließend genug. Aber das stellte für Siddharth kein Hindernis dar. Nach einem 30-minütigen Telefonat am frühen Morgen von Berlin nach Washington, D.C. hatte er die Mitarbeiter/innen der Weltbank davon überzeugt, dass seine anderen Fähigkeiten wichtiger waren. Dennoch schickte die Bank wieder eine Absage – dieses Mal wegen fehlender Finanzierung. Ohne sich davon abschrecken zu lassen, entgegnete Siddharth: »Ich werde ohne Bezahlung arbeiten.«

Während er auf eine Chance wartete, für die Weltbank zu arbeiten, machte er ein anderes Praktikum im Bereich Corporate Social Responsibility bei der HeidelbergCement Group. Von Mai bis August wurde er nach Malta geschickt. »Am Strand auf Malta las ich portugiesische Texte«, erzählt Siddharth, um sich auf das erhoffte Praktikum bei der Weltbank vorzubereiten. In einer öffentlichen Telefonzelle in Malta, umgeben von Partygänger/innen, fand das Bewerbungsgespräch mit der Weltbank für die letzte Auswahlrunde statt. Schließlich erreichte Siddharth die lang erwartete Zusage und er absolvierte ein ganzes »Professional Year« bei der Weltbank in Mosambik. Dort untersuchte er, wie die Regierung Steuereinnahmen aus der Rohstoffindustrie effizienter für öffentliche Programme einsetzen könnte. »Dabei machte ich wertvolle Erfahrungen im gemeinnützigen Sektor eines Entwicklungslandes«, erklärt er. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er also für den privaten, öffentlichen und gemeinnützigen Sektor in entwickelten, Schwellen- und Entwicklungsland gearbeitet. »Eine Wirtschaft sollte auf ihrer verarbeitenden Industrie basieren«, erklärt er. Daraus resultiert seine Ansicht, dass sich Mosambik nicht in erster Linie auf die Einnahmen aus dem Rohstoffbereich stützen sollte. »Das hilft einem Land, nicht bloß von einem einzigen, primären Wirtschaftszweig abhängig zu sein«, hebt Siddharth hervor.

Berufsanfänger/innen rät Siddharth folgendes: »Verfolge deine Ziele, halte den Dialog am Laufen, sei beharrlich, gib dich nicht so schnell mit einem Nein zufrieden. Entwerfe deine eigene Karriere. Du allein weißt, wo deine Talente und deine Leidenschaften liegen.« Er ist der lebende Beweis, dass Entschlossenheit der Schlüssel ist, um die eigenen Ziele zu erreichen. Wenn er gleich nach der ersten Absage der Weltbank seinen Versuch, ein Praktikum zu bekommen, aufgegeben hätte, wäre er nicht dort, wo er heute ist. Stattdessen ist er drangeblieben.

« Prof. Dr. Birgit Liss Corina Murafa »